Verlässlichkeit

Das Wort Verlässlichkeit geht auf das niederdeutsche Wort Verlass[1] aus dem 17. Jahrhundert zurück. Es bedeutet Vertrauen, Sicherheit, Zuverlässigkeit[2]. Sich auf jemanden verlassen können, heißt, ihm uneingeschränkt zu vertrauen.

In diesem Artikel beschreibt es ein Grundbedürfnis, das die Modellbildung in unserem Gehirn formt und unser Verantwortungsbewusstsein strukturiert.

Merkmale unserer Verlässlichkeit

Verlässlichkeit drückt sich über unser Verhalten und unserem Urteilsvermögen aus. Wir übernehmen Verantwortung für eine Situation und Aufgabe, die sich uns stellt bzw. die an uns herangetragen wird. Wir verhalten uns umsichtig, aufmerksam, achtsam und stimmig. Wir sind klar im Denken und Handeln, kennen unsere Fähigkeiten und Grenzen, unsere Motive sind für andere Menschen nachvollziehbar. Wir setzen dabei unsere Fähigkeiten zum Wohlergehen einer Gemeinschaft ein, ohne egoistische Interessen in den Vordergrund zu stellen.

Die Basis unseres Verhaltens ist eine realistische Einschätzung der Chancen und Gefahren von Situation und Aufgabe, ganz im Vertrauen auf unserer eingebrachten Fähigkeiten und die der Gemeinschaft und im Hinblick der zu erreichenden Ziele.

Verlässlichkeit schafft eine Atmosphäre des Vertrauens, Rückhalts, der Sicherheit, Stabilität und Verbundenheit und ermöglicht so das nachhaltige Wachstum und die Entfaltung des Lebens. Sie kommt immer dort zum Tragen, wo gegenseitige Hilfe und Zusammenarbeit notwendig werden. In diesem Miteinander kann ich Ziele erreichen, die ich als Einzelner niemals oder nur unter großen Risiken und Schwierigkeiten verwirklichen kann.

Überschätze ich aber meine Fähigkeiten oder die der anderen, dann bringe ich mich und andere in Gefahr. Unterschätze ich sie, dann behindere ich meine Entwicklung und die der anderen und verpasse Chancen, was aber auch eine Gefahr darstellen kann.

Dialog der Signale

Ein Baby ist in der Befriedigung seiner Bedürfnisse noch vollständig auf seine Eltern angewiesen. Es braucht die Bestätigung seines Vertrauens darin, dass seine Eltern bedingungslos für ihn da sind, was sich in ihrer Verlässlichkeit am geeignetsten ausdrückt. Dieses Vertrauen ist nicht nur überlebenswichtig, es bestimmt auch darüber, wie schnell und ungezwungen sich das Kind entfalten kann.

Dialog
Das Kind zeigt sich uns, nach seiner Geburt, als hilflos und schutzbedürftig. Ihm fehlt noch jede Form von Eigenwilligkeit oder gar Eigenständigkeit und seine ganze Zartheit ist darauf gerichtet, unser „Herz” zu erobern, dass wir uns seiner erbarmen und es annehmen. Sein Appell spricht unser Verantwortungsbewusstsein an („ich fühle mich verantwortlich”) und wir fühlen uns für sein Wohlergehen verpflichtet. Unser Signal an das Baby, das sich in unserem Verhalten ausdrückt, ist: „Ich passe auf dich auf.” Nun ist das Baby in der Aufmerksamkeit und in den Gedanken der Eltern integriert. Es wird versorgt und geschützt („ich bin geschützt”), so dass es nicht mehr um sein Leben bangen oder kämpfen muss und sich ganz seiner Entwicklung hingeben kann.Scheitert der Dialog aber, versucht das Kind durch sein Schreien und seine Unruhe auf seine Not aufmerksam zu machen. Es fordert seinen Schutz und seine Bedürftigkeit über einen Hilferuf aktiv ein: „Ich brauche dich!”. Die Eltern zeigen sich in der Situation aber genervt und überfordert und geben dem Kleinkind über ihr Verhalten unmissverständlich zu verstehen: „Du musst auf dich selber aufpassen.” Egal wie jung das Kind noch ist, es erfasst intuitiv den Ernst seiner Lage als eine akute Bedrohung seines Lebens und sein instinktiv aktiviertes Notfallprogramm wird auf ein Überleben und Funktionieren ausgerichtet. Es spürt über seine Angst: „Ich darf keine Fehler machen.” Eine Angst, die sich auf Grund des traumatischen Erlebens, das ganze Leben fortsetzen wird.

Regulation des Bedürfnisses

Wir suchen und erlernen Verlässlichkeit, indem wir innere Modelle aus Erlebnissen und Erfahrungen generieren, die eine Vorhersage des Gelingens oder Scheiterns einer Sache machen. Aber auch Rahmenbedingungen für das Modell werden aufgezeigt, in denen das Modell zuverlässig funktioniert oder wo es scheitert und Vorsicht angebracht ist. Dies fängt mit dem „Mama-heb-auf-Spiel” [3] an, geht über das Ausprobieren eigener und fremder Grenzen, bis zum Übernehmen von ersten Aufgaben und erster Verantwortung.

Verlässlichkeit ist für ein Kleinkind zunächst eine Gewohnheit, wie ein wiederkehrendes Ritual und zeigt sich als fester Bestandteil im Alltagsleben, ohne jedoch zwanghaft zu sein. Das Kind wird immer noch gesehen und auf jede Veränderung individuell reagiert. In der Regelmäßigkeit und Beständigkeit festigt sich das Modell und erzeugt in uns eine Erwartungshaltung, als eine realistische Einschätzung der noch einzutretenden Situation. Das Modell wird mit der Realität immer wieder abgeglichen und perfektioniert. So entsteht in uns Sicherheit und auch die Grenzen der Einschätzung und Berechenbarkeit einer Situation werden erkennbarer. Wir werden mit der Realität „verankert”.

Erkennende Instanz
Die in unserer Wahrnehmung erkennende Instanz, für alle Formen von Verlässlichkeit, ist unsere Umsicht. Sie erkennt die Tragweite unseres Denkens und Handelns (Weitsicht), Grenzen bzw. Grenzverletzungen und überprüft die Stimmigkeit von Sinnzusammenhängen. Elemente der Verlässlichkeit sind deshalb auch unsere Aufmerksamkeit und unser Reflexionsvermögen.
Wahrnehmung
Die Verlässlichkeit kommt in Situationen zum Tragen, in denen ich die Hilfe und Zusammenarbeit anderer Menschen brauche und erfahre. Ich kann mich ihnen anvertrauen, da ich im Vergleich mit meiner eigenen Einschätzung der Situation (an)erkenne, dass sie mehr Erfahrungen und eine bessere Einschätzung der Situation haben. Ich höre auf ihr Urteilsvermögen und kann auf ihren Erfahrungen aufbauen. Sie sind mit mir verbunden, haben mich im Blick und passen auf mich auf. Sie sind für mich da, wenn ich sie brauche und geben mir Rückhalt. Sie helfen mir weiter, wenn ich Hilfe brauche, fördern mich im Sammeln eigener Erfahrungen und schützen mich vor Gefahren, die ich noch nicht erkennen kann.

Ich muss die Last der Verantwortung nicht (alleine) tragen, kann verspielter oder risikoreicher mich ausprobieren, da ich immer das Gefühl habe, gesehen, unterstützt und aufgefangen zu werden, wenn ich in Not bin.

Die nach innen gerichtete Verlässlichkeit besagt, dass ich mich auf mich selber verlassen kann. Ich kann meinem Körper, meiner Wahrnehmung, meinen Fähigkeiten, meinem Denken und meiner Erfahrung vertrauen und schätze neue, noch unbekannte Situationen richtig ein. Ich kann mich einlassen, konzentrieren, etwas planen, mich mit einer Sache auseinandersetzen, an ihr beharrlich dranbleiben und kann hierfür die notwendige Selbstbeherrschung aufbringen.

Die nach außen gerichtete Verlässlichkeit bedeutet auch, dass ich mich öffentlich festlege und zu meinem Wort stehe. Was ich verspreche, das versuche ich auch zu halten. Verlässlichkeit bedingt Offenheit, Authentizität (Präsenz) und Berechenbarkeit. Über das Gefühl von Verbundenheit, wird mein Handeln auf das Gemeinwohl ausgerichtet, eigene (egoistische) Interessen werden dem Gemeinwohl untergeordnet.

Ich bin mir meiner Verantwortung bewusst und kann sie tragen, auch weil ich meine Grenzen weiß. In der Verantwortung erkenne ich die Notwendigkeit meines Handels und deren Konsequenzen. Ich reflektiere mein Verhalten und deren Motivation in den jeweiligen sich ergebenden Situationen und korrigiere mich gegebenenfalls, um Schaden abzuwenden oder den Erfolg meines Handels für ein höheres Ziel (z.B. Gemeinwohl, Schutz oder Rückhalt) neu auszurichten.
Die Unberechenbarkeit eines Menschen oder einer Situation ist für uns sehr bedrohlich. Uns fehlen wichtige Orientierungspunkte und wir können nicht angemessen in einer Situation reagieren. Die Grenzen, die wohlmöglich überschritten und verletzt werden, sind undeutlich und bieten reichlich Anlass für Konflikte und Gefahren.

Unberechenbarkeit verbreitet Angst, oft auch Schrecken, sie verletzt, weil sie Grenzen überschreitet oder bricht. Wir stauen Wut und Empörung in uns auf, aus Angst vor den Konflikten oder aus der Solidarität und Liebe zu den Eltern.

Eine Orientierungslosigkeit im Äußeren hinterlässt auch immer eine Orientierungslosigkeit im Inneren. Die erlebte Angst vor einer drohenden Gefahr lässt meinen Verstand auf Hochleistung nach Lösungen suchen, um aus der vermeintlichen Falle wieder zu entkommen. Mein Verstand kann aber die fehlenden Modelle durch Kontrolle und Konstrukte nicht ersetzen, weil er die Informationsmenge nicht bewältigen kann. Ich bin auf mich allein gestellt und darf keinen Fehler mehr machen, was häufig in einer Todesstarre endet. Ich fühle mich von der Situation überfordert, weil ich nicht angemessen handeln und Verantwortung tragen kann, um die Situation zu entschärfen. Wiederholte Überforderung blockiert schliesslich unsere Reifungsprozesse. Ich komme in meiner Entwicklung nicht voran.

Unzuverlässigkeit ist ein Mangel, der von einer Gemeinschaft geahndet wird. Ein Mangel an Vertrauen führt zu mehr Distanz in den Beziehungen. Die Menschen trauen mir nicht mehr, sind vorsichtig, eher verschlossen und zurückgezogen mir gegenüber. Eventuell meiden sie mich auch ganz.

Kann ich mich auf meine Wahrnehmung, meinem Denken oder meinen Körper nicht verlassen, tritt ein Notfallprogramm in Kraft. Ich suche nach Halt und Orientierung zunächst im Außen. Dies sind zunächst die Eltern, später ein Glauben oder eine religiöse Zugehörigkeit oder eine Gemeinschaft, die sich meiner annimmt. Werde ich nicht fündig und meine Situation bleibt bedrohlich, dann suche ich den Halt in Ersatzstoffen, wie Sucht und süchtige Verhaltensweisen (z.B. Smartphone) und ziehe mich in mir zurück.

In meinen Gedanken bin ich scheinbar vor der Außenwelt geschützt. Ich spüre dort keine Angst und kann mir meine Welt nach meiner Phantasie formen. Ich lege mir Konstrukte zurecht (Schubladendenken), die eine Konfrontation mit der Realität umgehen und bin auf der Flucht vor mir selber. Fluchtverhalten, statt sich zu stellen und Verantwortung zu übernehmen, wird jetzt zur Entwicklung.
Erlebniszustände
Verlässlichkeit erzeugt in uns ein Gefühl von Sicherheit und Vertrauen. Wir können uns auf unsere eigenen Fähigkeiten bzw. die des anderen verlassen.

Wir haben eine realistische, über unsere Wahrnehmung bestätigte, Einschätzung der Situation.
Das Unberechenbare einer Situation oder eines Menschen erzeugt in uns ein Gefühl von starker Verunsicherung. Wir erleben uns orientierungslos und hilflos bis schutzlos.

Ein Kind, das sich unsicher fühlt, muss seine Grenzen ständig überprüfen und neu ausloten.

Da unberechenbares Verhalten oft auch über Gewalt ausgedrückt wird, erleben wir uns ohnmächtig (Schockstarre) und ausgeliefert.
Antriebsenergien
Verlässlichkeit stärkt unseren Mut und unsere Risikobereitschaft. Wir probieren neue Grenzen aus und erweitern unsere Erfahrungen.

Unsere Frustrationstoleranz wird gestärkt und wir sind bei Fehlern liebevoller zu uns und anderen (wir vergeben).

Grenzsetzungen, die Klarheit im Denken (zielgerichtetes Denken, Konzentration) und Durchsetzungsvermögen benötigt aber zusätzlich noch Aggression als Antriebsenergie.
Da wir uns in einer gefahrvollen Situation befinden, wird Angst bis Panik in uns spürbar. Unsere Kontrollinstanz sucht nach Sicherheiten, an denen wir uns klammern können (z.B. Kuscheltiere oder Meidung der angstauslösenden Situation). Wir vermeiden eine Verschlechterung unserer Situation, indem wir auf Altbewährtes, Halt und Orientierung gebendes Verhalten zurückgreifen.

Unsere Entwicklung wird zu Gunsten der Erhaltung unserer Stabilität zurückgestellt oder sie wird sogar regressiv (Rückfall in kindliche Verhaltensweisen). Der noch einzige verbleibende positive Antrieb kommt aus dem Bestreben bzw. der Not heraus, sich etwas zu geben und „Spaß haben wollen”. Dieses „etwas” wird durch Stimulation erreicht, einem Versuch, dem Leben doch noch etwas abzugewinnen. Es ist eine willentlich gesteuerte Suche nach Verlässlichkeit, indem wir die nicht erfahrene Erfüllung durch eine aktiv kontrollierbare Belohnung ersetzen. Eine Suchtstruktur wird angelegt, um den Seelenschmerz zu beteuben.
Haltung
Verlässlichkeit ist die Haltung des Dienenden, der sich einer höheren Sache hingibt und selbstlos Handeln kann. Nach außen wirkt diese Haltung als ausgeglichen und gelassen (Gelassenheit). Die innere Einstellung ist: „Ich leiste dem Leben meinen Beitrag.“

Verlässlichkeit bedingt Aufmerksamkeit und ein Einlassen auf sich und den anderen. Verlässlichkeit beutet Beständigkeit, Berechenbarkeit, Rückhalt, Stabilität und Sicherheit.
Unzuverlässigkeit erzeugt eine Haltung von Resignation und Gleichgültigkeit. Da der Regelkreis des Bedürfnisses nicht mehr funktioniert entsteht ein impulsives, unberechenbares, oft auch provozierendes, aggressives, einforderndes Handeln. „Angriff ist die beste Verteidigung” als Selbstschutz vor Nähe und Überforderung. Die dahinter liegende Not und Panik wird überspielt.

Unser Geist wird wankelmütig und der innere „Schweinehund” sorgt für eine Barriere im Antrieb. Die innere Einstellung ist: „Mir ist alles scheiß egal.” oder „Ich muss erst an mich denken.”

Reifungsprozess zur Ich-Stärke

Neben dem Aufbau von Umsicht geht es im Reifungsprozess direkt um unser Erwachsen werden. Verlässlichkeit strukturiert unser Verantwortungsbewusstsein, es formt Modelle der Berechenbarkeit von Situationen und menschlichem Verhalten und unterstützt dadurch unser Sozialverhalten. Indirekt regelt sie damit unsere Stellung in der Gemeinschaft.

Die Berechenbarkeit einer Situation oder die Zuverlässigkeit einer Fähigkeit sind für uns überlebenswichtig. Sie verschaffen uns Vorteile, Gefahren und Chancen richtig abzuschätzen und uns Veränderungen besser anzupassen. Ob heute im Autoverkehr oder früher auf der Jagd, Verlässlichkeit regelt nonverbal unser Verhalten und das der anderen.

Unser Bedürfnis nach Verlässlichkeit hat als Entwicklungsziel das Erlernen von Selbstsicherheit, eine unserer Ich-Stärken.

Fähigkeiten
Unsere Fähigkeit zur Modellbildung ist eine der herausragensten menschlichen Eigenschaften. Ihr verdanken wir unseren Fortschritt. Mit einer verlässlichen Einschätzung von zukünftigen Ereignissen, strukturiert sich unser Verantwortungsbewusstsein.

Mit der verlässlichen Einschätzung werden auch gleichzeitig die Grenzen des Modells sichtbarer, in denen das Modell greift (Grenzsetzung). Durch diese Grenzen erfahren wir auch Schutz und Sicherheit, also Verlässlichkeit. Aggressionen verteidigen unsere Grenzen und sorgen für innere Stabilität.

Mit zunehmender Verlässlichkeit unserer Modelle gewinnen wir an Umfang und Tiefe innerer Vorgänge und erkennen Sinnzusammenhänge zwischen uns, der Natur und dem Leben auf einer höheren Bewusstseinsebene. Wir können jetzt zwischen Schein und Sein unterscheiden und orientieren uns an den „wahren Werten” des Lebens. Unser Denken wird klarer und strukturierter, wir erhalten mehr Durchsetzungsvermögen und sind in unserer Wahrnehmung verankert.

Mit dem Erwachen unseres Verantwortungsbewusstseins wird die Tragweite unseres Denkens und Handelns bewusster und unsere Verbundenheit zur Umwelt, den Menschen und dem Leben, sorgt für ein selbstloses Handeln.
Erfahren wir keine Verlässlichkeit, dann können auch keine Modelle aufgebaut werden. Konstrukte (Regeln) ersetzen dann die fehlenden Modelle und wir drücken uns vor Verantwortung. Durch die schnelle Überforderung und der Unerfahrenheit in der richtigen Einschätzung von Situationen, werden wir konfliktscheu, bemühen uns um Anpassung und meiden eine direkte Konfrontation. Oder wir sind aufbrausend, emotional unkontrolliert, impulsiv und aggressiv.

Wir werden verschlossen für andere Denk- und Lebensarten und verlieren den Kontakt zu unserer Intuition, unserem Körper und den Gefühlen. Starre Regeln, Kontrolle und ein Schubladendenken sollen diesen Mangel ausgleichen.

Auch haben wir Schwierigkeiten unsere Grenzen und die anderer zu erkennen und zu verteidigen. Wir reagieren zunächst gar nicht, um bei wiederholter Grenzverletzung emotional weit übers Ziel hinauszuschießen und regelrecht zu explodieren.
Fertigkeiten
Das Strukturieren von Arbeitsschritten in einzelne, zu erreichende Phasen ist ein wichtiges Werkzeug von Planung (Struktur und Zielsetzung).

Uns gelingt die richtige Grenzsetzung, wir sorgen für gegenseitige Unterstützung und bieten Rückhalt, wo sie gebraucht wird, drücken die Verbundenheit aus und festigen die Gemeinschaft durch das Leben von einem „Miteinander”.
Unser Denken ist oberflächlich und eher kindlich (Naivität). Kontrolle und Konstrukte sollen das Funktionieren regeln und aufrechterhalten.

Menschen werden auf Distanz gehalten, um eine potentielle Grenzverletzung schon im Ansatz zu verhindern. Die fehlende emotionale Erfahrung und Sicherheit macht uns desorientiert.
Ich-Stärke
Das Reifungsziel unseres Bedürfnisses nach Verlässlichkeit ist der Aufbau von Selbstsicherheit. Dieses Gefühl gibt die Zuverlässigkeit der inneren Modelle an, so dass wir uns jetzt selber verlässlich zu uns und anderen verhalten können. Wir können selbstständig agieren und Verantwortung übernehmen.Menschen, denen die Selbstsicherheit fehlt, neigen zur inneren Abstumpfung, was sich auch in Gewalt ausdrücken kann. Hierarchische Strukturen von Befehl und Gehorsam, von Respekt und Unterwürfigkeit, sollen den Mangel an Verlässlichkeit kompensieren. Unberechenbarkeit, Unbeherrschtheit und Machtverlangen sind Ausdruck der Entwicklungsdefizite.

Grundbedürfnis nach Verlässlichkeit

Dialog

Kind signalisiert
„ich bin schutzbedürftig”„ich brauche dich!”
Eltern spüren
„ich fühle mich verantwortlich”„ich fühle mich überfordert”
Eltern signalisieren
„ich passe auf dich auf”„du musst auf dich selber aufpassen”
Kind spürt
„ich bin geschützt”„ich darf keine Fehler machen”

Regulation

Instanz
Umsicht
(Grenzverletzung)
Erlebniszustand
sicherunsicher
orientierungslos/haltlos
Antriebsenergie
Mut
(mit Aggression bei Grenzverletzung)
Angst bis Panik
(impulsives Reagieren)
Haltung
Gelassenheit (Ausgeglichenheit) „ich leiste dem Leben meinen Beitrag”Gleichgültigkeit, Rückzug
„mir ist alles egal”

Reifung

Fähigkeit
Verantwortungsbewusstsein, Durchsetzungsvermögen, Grenzerkennungsich vor Verantwortung drücken, Konfliktscheu, Schubladendenken
Fertigkeit
Struktur, Zielstrebigkeit, GrenzsetzungNaivität, Funktionieren, Konstrukte
Ich-Stärke
SelbstsicherheitAbstumpfung, Regression

Literatur

[1] Duden, Herkunftswörterbuch

[2] Die Benennung Zuverlässigkeit
Die Zuverlässigkeit hieß früher zur Unterscheidung von der menschlichen Zuverlässigkeit „technische Zuverlässigkeit”. Das Adjektiv „technische” wurde später weggelassen. Heute wäre es sogar falsch. Zuverlässigkeitsmanagement im Rahmen des Qualitätsmanagements geht nämlich weit über die Technik hinaus. Außerdem veranlasst menschliche Zuverlässigkeit stets die Überlegung, ob nicht die Verlässlichkeit gemeint ist. Das sind jene Merkmale, die Vertrauen in einen Menschen begründen. Die äquivalente englische Benennung für die Zuverlässigkeit ist „dependability” (früher „reliability”). Daher erhielt das für diese Merkmalsgruppe zuständige internationale Normungsgremium IEC/TC 56 schon vor langem den Namen „dependability”. Das Wort „reliability” Ist nämlich im Englischen ein Homonym: Einerseits ist sein Begriffsinhalt „Funktionsfähigkeit”, andererseits „Erfolgswahrscheinlichkeit”. Das hat Bedeutung schon deshalb, weil Funktionsfähigkeit ein Element der Zuverlässigkeit Ist.
(Handbuch Qualität, Walter Geiger, Willi Kotte, Springer-Verlag, 2007, Seite 307)

[3] Ab etwa dem 6. Lebensmonat wirft das Kleinkind wiederholt Gegenstände auf den Boden und lässt sie sich von der Mutter wieder aufheben. Es erkennt den verlässlichen Zusammenhang seines Tuns und der Reaktion seiner Mutter und hat sichtlichen Spass an diesem Spiel. Einige Mütter fühlen sich dadurch aber herausgefordert und sehen darin eine Machtprobe seines Willen und ein Akt der Erniedrigung.